Freitag, 4. November 2011

"Warum werden Lehrer nicht mehr respektiert?"

In der Ratgeber-Community gutefrage.net stellte vor zwei Tagen ein junger Mensch die Frage "Warum werden Lehrer nicht mehr respektiert?". Ich bin dankbar für die Antworten (und natürlich auch für die Frage), welche zeigen, dass wir längst noch nicht über alles nachgedacht haben.

Die fragende junge Person überlegt (nach einem Gespräch mit ihrem Opa über Schule in früheren Zeiten): "Früher hatte man noch ziemlich viel Respekt vorm Lehrer. Heute sieht es ganz anders aus. Warum hat es sich so entwickelt? Liegt es daran, dass man die Schüler nicht mehr Schlagen darf oder eher an der Erziehung der Kinder?"

Sonntag, 30. Oktober 2011

Warum Schule dir den Schlaf raubt & deine Eltern mit dir ab heute nicht mehr über Bettgehzeiten zanken sollten

"Der frühe Schulbeginn zwischen 7:30 und 8:00 Uhr widerspricht dem Biorhythmus von Kindern und Jugendlichen", heißt es in einem Beitrag auf www.stern.de. Weiterhin wird berichtet, dass amerikanische Forscher Folgendes herausgefunden haben: "Bereits die Verlegung des Unterrichtsbeginns um nur 30 Minuten sorgte für eine Stunde mehr Schlaf, bessere Laune und Leistungen. Je älter die Schüler waren, desto mehr profitierten sie davon." Klingt wie eine simple Lösung. Was spricht dagegen?

Sonntag, 23. Oktober 2011

Stellenanzeige

Was würden deine Eltern dir raten, wenn du mit einer Stellenanzeige zu ihnen kämst, die folgendermaßen lautete:

Wir bieten:
  • 12 Jahre unbezahlte Arbeit (mit Verlängerungsoption bei gutem Verhalten um 6-10 Jahre)
  • wöchentliche Arbeitsstunden in Großraumbüro: 20-35 (sukzessive Steigerung), als zusätzliches Engagement werden mindestens 30 Min. Überstunden täglich erwartet
  • Tätigkeit überwiegend sitzend, nach vorgegebenem Zeitplan (Essenspausen klar geregelt, Toilettenpausen nach Absprache)
  • Aufgabenfeld nicht selbst ausgesucht, übereinstimmend mit dem Ihrer Kollegen (ungefragter Austausch während der Arbeitszeiten untersagt)
  • Am Ende (und zwar erst am Ende) ein Arbeitszeugnis, dessen Inhalt auch schlecht sein kann.
Würden Sie dir raten, dieses Angebot anzunehmen, oder lieber das Risiko einzugehen, etwas Besseres zu bekommen?

Samstag, 22. Oktober 2011

Über (frei) lernende Schulschwänzer

Mir sind zwei "schulschwänzende Jugendliche" begegnet, die nicht wussten, dass sie lernen.

Ein 15-jähriger Junge kam in die Praxis und erzählte, dass er seit ein paar Wochen nicht mehr in die Schule ginge. Eines Tages konnte er einfach nicht mehr hingehen. Er wusste nicht, warum. (Ich ahnte es.) Ihm kamen die Tränen, als er das sagte. Er konnte seine Reaktion einfach nicht verstehen. (Ich schon.)
Was er denn in den drei Wochen gemacht habe? Er war mit einem Kumpel die Schafe dessen Eltern hüten. Er habe mit anderen Kumpels Motorroller zusammengeschraubt. Als er von den praktischen, handwerklichen Tätigkeiten erzählte, die er gern machte, leuchteten seine Augen.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

"Gu-ten Mor-gen, Herr Leeeh-rer!"

Ich wohne gegenüber eines Gymnasiums. An einem warmen Sommertag vor den Ferien - alle Fenster unserer Wohnung und auch die der Schule waren weit aufgerissen - hörte ich plötzlich einen Kinderchor "Gu-ten Mor-gen, Herr So-wie-so!" salutieren. In dem Moment hielt ich etwas irritiert inne. Ist das heute immer noch aktuell, dass Schüler gemeinschaftlich aufstehen und den Lehrer einstimmig begrüßen (müssen)? Ich selbst kenne das Salutieren noch aus den ersten beiden Schuljahren in der damaligen DDR (damals hatte meine Lehrerin noch einen Jungen am Ohr packend vor die Tür verwiesen). Danach habe ich es nie wieder in meiner Schullaufbahn erlebt.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Was ist der Unterschied zwischen einem "Freilerner" und einem Schulschwänzer?

Zuerst einmal zwei Gemeinsamkeiten:
Beide sind junge Menschen, die nicht zur Schule gehen.
Beide folgen ihrer inneren Stimme, die ihnen sagt, was gut (und was nicht gut) für sie ist. Aber: der eine ist sich dessen bewusst, der andere nicht - womit wir bei den Unterschieden wären:

Mittwoch, 14. September 2011

Der Geschichtsaufsatz für Wagemutige

Falls du je die Gelegenheit oder Notwendigkeit hast, einen Geschichtsaufsatz zu schreiben und vorzustellen - oder ein Referat, Diskussionsthema - so habe ich einen kühnen Themenvorschlag für dich (wäre vielleicht auch für andere Fächer wie Politik, Sozialwissenschaften, Ethik, Philosophie oder Religion interessant): Schreibe, erzähle oder diskutiere doch einmal über Die Geschichte des Schulzwangs.

Ein bisschen Mut gehört schon zu diesem Thema - aber ich glaube, es gibt kein besseres und aktuelleres Thema für einen Schulaufsatz als dieses, da es dich und die Menschen um dich herum unmittelbar betrifft - tagtäglich.
Ich werde etwas über die Geschichte des Schulzwangs erzählen. Eine wichtige Literaturquelle, aus deren Inhalt ich etwas vorstellen werde, ist ein Artikel mit dem Titel "Bildungsfreiheit" von Rahim Taghizadegan.

Warum Geschichte "des Schulzwangs" und nicht "der Schulpflicht"? Taghizadegan beschreibt sehr schön den Unterschied zwischen den Begriffen "Pflicht" und "Zwang".
Pflicht wurde ursprünglich im Deutschen auch als Synonym für "Gemeinschaft" oder "Teilhabe" verwendet. Eine Pflicht ist ein "Gebot, dessen Einhaltung für das Bestehen einer Gemeinschaft wesentlich ist." Voraussetzung dafür, eine Pflicht erfüllen zu können, ist, dass ich auch die Möglichkeit habe, mich anders zu verhalten, dass ich also wählen kann, wie ich mich verhalten will.

Beim Zwang habe ich nicht die Wahl, er schränkt meinen Handlungsspielraum ein und ich habe nicht "die Möglichkeit zur Ausübung einer moralischen Pflicht".

Haben Schüler in Deutschland die Möglichkeit, die Schulpflicht zu erfüllen? Und was passiert, wenn sie wählen und sich "anders verhalten"?

Aber zur Geschichte:

Das historisch gesehen "erste und wichtigste Argument gegen Bildungsfreiheit" ist ein Religiöses.
Es wurde 1524 von Martin Luther vorgebracht. Dieser forderte damals deutsche Bürgermeister und Ratsherren auf, "christliche Schulen" zu errichten. Er bezeichnete katholische Schulen als "Eselsställe und Teufelsschulen", welche im Abgrund versinken sollten, und die Katholiken als "Kinderfresser und Verderber".  

"Da werden tagtäglich Kinder geborn und wachsen bei uns daher und ist leider niemand, der sich des armen jungen Volks annehme und regiere, da läßt man's gehen wie es gehet."

Das durfte nicht sein und eine Monopolisierung des Schulsystems sollte dafür sorgen, dass alle Schüler vor den Kinderfressern und Verderbern gerettet werden, denn "nicht geringer ist es, einen Schüler versäumen, denn eine Jungfrau [...] oder Weiber schänden".

Noch im selben Jahr (1524) gab es die ersten staatlichen Einheitsschulen in Gotha und kurz darauf in ganz Thüringen. 1559 wurde in Württemberg die allgemeine Schulpflicht - allerdings nur für Jungen - eingeführt (von der Kirche durchgeführt bestand Unterricht damals zunächst hauptsächlich aus dem Einüben von Kirchenliedern und Gebeten. Lesen, Schreiben und Rechnen waren noch nicht so wichtig). 1592 wurde dann im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken als erstem Territorium der Welt die allgemeine Schulpflicht für Jungen und Mädchen eingeführt.

Auch heute noch spielt die Religion in der Argumentation gegen Bildungsfreiheit eine Rolle, wobei es dabei eher um eine Trennung von Religion und Staat geht. Die Botschaft ist nun "Du darfst nur an einen Gott glauben, nämlich - keinen, d.h. den Menschen, d.h. den Staat." (Taghizadegan)

Das religiöse Argument wurde im 19. Jhgt. von einem Militärischen abgelöst.
Hierzu zitiere ich ebenso wie Taghizadegan aus Johann Gottlieb Fichtes Reden an die deutsche Nation von 1808: "Dagegen würde der Staat, der die von uns vorgeschlagene Nationalerziehung allgemein einführte, von dem Augenblicke an, da ein Geschlecht der nachwachsenden Jugend durch sie hindurch gegangen wäre, gar keines besonderen Heeres bedürfe, sondern er hätte an ihnen ein Heer, wie es noch keine Zeit gesehen. Jeder einzelne ist [...] zur Ertragung jeder Anstrengung und Mühseligkeit gewöhnt, [...] in seinem Gemüthe lebt die Liebe des Ganzen, dessen Mitglied er ist, des Staats und des Vaterlands, und vernichtet jede andere selbstische Regung."

Verfolgt die Schulerziehung heute immer noch die gleichen Ziele (?): Vorgeben, was gelernt werden darf; alle das Gleiche lehren; jeder gewöhnt sich daran, Anstrengung und Mühseligkeit zu ertragen; das Ganze zählt (Konformität, Anpassung); Vernichtung jeder "selbstischen Regung" (Individualität, Anderssein, Andersdenken, Sich-für-anderes-als-den-Lehrplanstoff-interessieren, Kreativität, Selbstentfaltung, freies Denken und Sprechen, Aufs-Klo-gehen-ohne-zu-fragen).

Die National-Sozialisten ließen sich sehr von Fichtes Ideen inspirieren und mit dem Reichsschulpflichtgesetz wurde 1938 der bis heute geltende Bildungszwang eingeführt (Bildungszwang, da es seitdem eine "Schulpflicht" gibt, und nicht mehr eine "Unterrichts- oder Bildungspflicht", d.h. Bildung kann und darf NUR in der SCHULE stattfinden - kann sich jemand von euch überhaupt vorstellen, dass Bildung, die wir für's Leben brauchen, außerhalb der Schulmauern stattfindet?). 

Der Staat wollte einst ein folgsames Heer und zu Beginn des Industriezeitalters brave Fließbandarbeiter. Auch das waren einst Argumente für eine einheitliche, vorgegebene Beschulung. Gelten diese ganzen Argumente heute noch?

In einem heute erschienenen Artikel "Erklär mir die Welt (73): Warum ist die staatliche Schulpflicht unnötig" wird der Erziehungswissenschaftler Volker Ladenthin zitiert: Ursprünglich war der Schulzwang nicht die Regel, sondern die Ausnahme. "Die Schulpflicht wurde eingeführt, weil die bildungsfernen Schichten ihre Kinder zu Hause behielten und zum Kartoffelausbuddeln und Getreideernten gebrauchten".

Jesper Juul, ein bekannter und geschätzter dänischer Familientherapeut und Autor, sagt in einem Interview:
In Deutschland, wie auch in Skandinavien, leben unsere Kinder genau 26.000 Stunden ihrer Kindheit in pädagogischen Zwangsanstalten, also Kinderkrippen, Schulen etc. – so ist das! Sie leben den größten Teil ihres Lebens unter Zwang. Und ich verstehe nicht, warum wir nicht sagen, »Liebe Kinder, Schulzwang war früher notwendig, denn sonst hätten eure Eltern euch nur deshalb nicht in die Schule geschickt, weil sie euch als Arbeiter brauchten. Das ist 125 Jahre her, und jetzt ist das nicht mehr so. Jetzt, liebe Kinder, habt ihr Schulunterrichtungsrecht, herzlichen Glückwunsch!« Das würde die Beziehung zwischen Schule und Schülern grundsätzlich ändern!
Aber damit sind wir nicht mehr bei der Geschichte, sondern bei der Diskussion um den Sinn und Unsinn des Schulzwangs - das Thema für den nächsten Aufsatz.

Mehr Infos
"Das deutsche Schulsystem. Entstehung, Struktur, Steuerung" - Eine Studie
"Geschichte des Schulzwangs in Deutschland"
"Kurze Geschichte der allgemeinen Schulpflicht"
Weimarer Reichsverfassung 
Wikipedia

Samstag, 27. August 2011

Beurteile einen Fisch nicht nach seiner Fähigkeit, einen Baum hochzusteigen

Inspiriert durch die klugen Gedanken kluger Menschen, die in folgendem Clip zusammengetragen wurden, möchte ich ein paar Gedanken aufgreifen und meine Gedanken hinzufügen.


Jeder ist ein Genie. Aber wenn du einen Fisch nach seiner Fähigkeit beurteilst, einen Baum hochzusteigen, wird er sein ganzes Leben lang glauben, er sei dumm. - Albert Einstein
Bei diesem Zitat muss ich an ein wunderschönes, witziges Kinderbuch mit dem Titel Wenn die Ziege schwimmen lernt denken. Als ich es damals in der Bücherei in Händen hielt, war mir noch nicht bewusst, wieviel Schulkritik eigentlich darin steckte. Es erzählt von einer Zeit, als alle Tiere in die Schule gingen - Elefanten, Giraffen, Fische, Pferde, Ziegen, Enten... Und alle lernten schwimmen, fliegen, rennen und klettern - naja, das heißt, sie sollten es lernen (von strengen Lehrern, die dies natürlich besonders gut konnten - Pinguin, Eule...). Das Pferd kam sich bei dem Versuch, einen Baum zu besteigen, irgendwie doof vor, die Ente verzweifelte daran völlig, während der Lehrer-Affe die Problematik gar nicht nachvollziehen konnte. Dem Elefanten gelang das Fliegenlernen nicht so richtig - darin hatte die Ente hingegen eine 1. Der Fisch bekam im Rennen eine 6 und im Klettern auch... na, und im Fliegen auch, soweit ich es in Erinnerung habe. Dieses Buch ist einfach urkomisch, und mag eine Schule für Tiere uns noch so absurd erscheinen, desto weniger absurd scheint sie für uns Menschen zu sein. Warum? Am Ende des Buches, machte jeder das, was er am besten konnte, und alle hatten Spaß und fühlten sich wunderbar und kompetent. 


Die meisten Menschen haben keine Vorstellung davon, wozu sie fähig sind. Sie nehmen ihre Talente und Begabungen nicht wahr. Sehr viele Menschen schlussfolgern daraus, sie hätten keine, sie seien nichts Besonderes. 
- Sir Ken Robinson

Ken Robinson ist davon überzeugt, dass wir alle mit verborgenen Talenten und Fähigkeiten geboren werden, dass sie sozusagen uns Menschen angeboren sind. Das markanteste Merkmal, das uns Menschen ausmacht, sei unsere Vorstellungskraft und unsere Fähigkeit, etwas zu Erschaffen. Manche Menschen entdecken ihre Besonderheit und Individualität, und manche nicht. Diejenigen, welche sie nicht entdecken, schließen daraus, dass sie keine haben. (aus dem Vortrag Ken Robinson on Passion)

Was hilft uns, unsere Talente zu entdecken und was steht dem im Weg? Wäre es vielleicht die wichtigste Aufgabe der Erwachsenen, den Kindern alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die der Entdeckung im Wege stehen?


Es ist absurd und gegen das Leben, Teil eines Systems zu sein, dass dich dazu zwingt, einem Fremden zuzuhören, wie er Gedichte vorliest, während du eigentlich lernen willst, wie man Häuser baut, oder mit einem Fremden über die Konstruktion von Häusern zu diskutieren, wenn du eigentlich Gedichte lesen willst. - John Taylor Gatto

Wenn du schon nicht verhindern kannst, dass jemand dir vorsetzt, was du lernen sollst, so kannst du zumindest dein Selbstwertgefühl streicheln, welches sich fragt, warum du nicht so gut lernst, wie du sollst. Vielleicht interessiert es dich nicht. Vielleicht denkst du an etwas anderes. Vielleicht macht es dir keinen Spaß. Vielleicht würdest du gern lieber etwas anderes tun. Das alles darf sein. Obwohl dir alle einzureden versuchen, du müsstest das lernen, was man dir vorsetzt, "damit aus dir was wird" - glaube es nicht, denn es stimmt nicht und es funktioniert nicht.

Die meisten Menschen lernen die meiste Zeit das Meiste, was sie über Wissenschaft und Technik wissen, außerhalb der Schule. - National Science Foundation
Frag einmal deine Eltern, wann, wie, wo und wodurch sie am meisten für's und über das Leben gelernt haben. Frag sie einmal, wieviel von dem, was sie heute wissen, und von dem, was ihnen für ihr bisheriges, jetziges und zukünftiges Leben wichtig erscheint, sie in der Schule gelernt haben.


Es ist ein Wunder, dass die Neugier die formale Schulbildung überlebt.   
- Albert Einstein 

Tut sie das? Wieviel bleibt von ihr übrig? Und wieviel von unserem natürlichen Bedürfnis zu lernen bleibt übrig? Wieviel von unserem Spaß daran?

Lass mich und andere gern an deinen Antworten teilhaben.


Einige Zeit nach diesem Beitrag hatte ich dann die Geschichte gefunden: "Wenn die Ziege schwimmen lernt" - eine Geschichte von der Schule

Freitag, 26. August 2011

Ist es falsch, etwas nicht zu wissen?

Was passiert, wenn du auf eine Frage antworten musst "Ich weiß es nicht"? Wirst du dann schräg angeguckt? Ist es dir peinlich? Hast du ein schlechtes Gewissen? Denkst du, dass du es wissen solltest, dass du dumm bist oder faul? In welchen Situationen ist es unangenehm, etwas nicht zu wissen, und in welchen Situationen ist es ok? 

Ich sah kürzlich einen sehr amüsanten Vortrag von Sir Ken Robinson, in dem er von einer Begegnung mit dem Dalai Lama erzählt. Während einer Diskussionsrunde stellte jemand aus einem 2000köpfigen Publikum dem Dalai Lama eine Frage. Nachdem er ungefähr eine Minute lang nachgedacht hatte und zu einer Antwort ansetzte, war das Publikum nun gespannt, was da nun kommen würde - schließlich war es der Dalai Lama. Er hielt inne und alle Leute warteten auf die sensationelle Antwort, die nun kommen musste. Und dann sagte er: "Ich weiß es nicht." Alle waren bestürzt. Was sollte das heißen, er weiß es nicht? Er ist der Dalai Lama! Wir wissen es nicht. Er sollte es eigentlich wissen. Aber das wundervolle daran war, dass alle im Raum erleichtert waren. Es gab die Erlaubnis dafür, etwas nicht zu wissen. Der Dalai Lama sagte, er wisse es nicht, denn er habe noch nie darüber nachgedacht. Er wolle nicht über etwas reden, was er nicht weiß. Er habe über vieles schon nachgedacht - aber darüber noch nicht.

Das Wissen auf dieser Welt wächst immer mehr. Der Anteil dessen, was wir vom gesamten Weltwissen in einem Leben wissen können, wird immer kleiner. Wer will uns vorschreiben, welchen Teil des gesamten Wissens wir wissen sollen? Wer entscheidet darüber, welches Wissen genau wir für unser Leben brauchen (werden)? Macht es Sinn, dass wir genau das gleiche lernen und wissen müssen wie sämtliche anderen Gleichaltrigen um uns herum? Macht es Sinn, dass alle in unserer Klasse, in unserer Klassenstufe, in unserem Jahrgang, im ganzen Land das Gleiche wissen?

Was ist, wenn du über ein Thema nichts weißt - aber dafür über ganz viele andere Themen, für die sich leider niemand interessiert, die in der Schule nicht gefragt werden? (In einer Sendung über Kinder, die große Schwierigkeiten in der Schule hatten, wurde von einem Jungen berichtet, der sich extrem für Dinosaurier interessierte. Zuhause meißelte er Fossilien aus Gesteinen - vielleicht würde er eines Tages Paläontologe, Archäologe oder Geologe werden - mit Leidenschaft - aber in der Schule interessiert sich niemand für deine Interessen. Er kam in der Schule überhaupt nicht klar und wurde gemobbt. In einem Test stellte sich schließlich heraus, dass er hoch intelligent war. Die ganze Sendung über drei Jungen, die "aus dem Rahmen fallen" und in eine Mühle von Etikettierungs- und Diagnostizierungsmaßnahmen geraten sind - und die, wie ich finde, ganz wundervolle Jungen sind - findest du hier.)

Sir Ken Robinson sagt, in unserer Kultur bedeutet etwas nicht zu wissen, dass man im Unrecht ist, dass es falsch ist, etwas nicht zu wissen. Menschen tun so, als wüssten sie viele Dinge, die sie gar nicht wissen, denn das Schlimmste, was man tun kann, ist, uninformiert zu wirken oder keine Meinung zu haben. 

Ist es schlimm, zu sagen, "darüber habe ich noch nicht nachgedacht" oder "dazu habe ich keine Meinung - bis jetzt"? Wie wirkt ein Lehrer, der auch mal sagt "das weiß ich nicht - aber interessante Frage, ich werde versuchen, bis zur nächsten Stunde die Antwort herauszufinden" - sympathisch? Menschlich? (Aber dazu kommt es kaum, oder, denn in der Schule stellen doch nur die Lehrer Fragen, oder?)

Wir sollten die Grenzen unseres Wissens kennen und wissen, was wir nicht wissen. Und wir sollten uns inspiriert fühlen, Dinge zu erforschen, die wir nicht wissen, anstatt uns dafür zu schämen, dass wir sie nicht wissen (sagt Ken Robinson - diese weisen Worte stammen leider nicht von mir).

Ist es mutig zu sagen "ehe ich jetzt so tue, als hätte ich Ahnung davon, sag ich lieber rundheraus: ich weiß es nicht"?

Irgendein Philosoph sagte einmal den klugen Spruch: Wer nichts weiß und weiß, dass er nichts weiß, weiß mehr als der, der nichts weiß und nicht weiß, dass er nichts weiß. - Aber ich weiß nicht mehr, welcher.

Donnerstag, 18. August 2011

"Du musst doch mal etwas zu Ende bringen, was du angefangen hast!"

Kennst du diesen Satz (so sinngemäß)? Oft fällt so ein Spruch im Zusammenhang mit Ein-Instrument-Lernen oder Eine-Sportart-wählen - bestimmt auch noch bei anderen Dingen. Hast du dir schon so Sätze anhören müssen, wie "Entscheide dich endlich mal für eine Sache und zieh es durch" oder "Du musst doch mal an etwas dranbleiben, nicht gleich aufgeben"... oder noch schlimmer, in deinem Beisein über dich sagen hören "Er gibt schnell auf" oder "Sie muss doch mal wissen, was sie will, aber die Entscheidungsfreudigste war sie noch nie" oder "Sie nimmt einfach keine Sache richtig ernst"?

Wer bestimmt, wie lange du an einer Sache dranbleiben solltest? Wer bestimmt, für das wievielte Instrument, das du ausprobiert, du dich entscheiden musst oder für die wievielte Sportart, in die du hineinschnupperst? 

Wenn jemand Klamotten braucht und verschiedene Sachen begutachtet und beim Anprobieren feststellt: "Steht mir nicht", "Gefällt mir nicht" (vornehmlich weibliche Personen) - kommt ein freundlicher Begleiter dann auf die Idee zu sagen: "Du musst dich aber mal für was entscheiden, sonst wird das nie was"? Oder sagt er vielleicht "Du wirst schon noch das Richtige für dich finden" oder "Die Mode ist grad nicht so deins, oder?"

"Ich muss mich doch drin wohl fühlen!", "Es muss doch zu mir passen!"

Wenn deine Familie umziehen will und ein Haus oder eine Wohnung sucht und nach der zweiten, dritten, vierten Besichtigung dankend ablehnt, würdest du da auf die Idee kommen zu sagen "Mama, Papa, ihr müsst euch mal endlich entscheiden, das geht so nicht, man kann doch nicht von einem zum nächsten springen" - das käme dir vermutlich nicht in den Sinn, denn ihr wollt euch doch wohl fühlen, euch ist doch dies und das wichtig, was erfüllt werden soll. Es braucht doch seine Zeit, bis das Richtige oder Passende gefunden ist.

Na, bei den Beispielen ist das ja wohl klar! Aber wenn es ums Lernen geht, muss ich doch zielstrebig sein und endlich mal an was dranbleiben, sonst lerne ich ja nie was!

Dayna Martin schreibt etwas sehr Schönes in ihrem Buch Die Freie Familie ...oder die Freiheit über Leben und Lernen selbst zu bestimmen:
Aus meiner Sicht geht es im Leben darum, den Kindern ein großes "Büffet" der Möglichkeiten und Aktivitäten zum Lernen anzubieten. Sie greifen mit Freude dort zu, wo sie sich angesprochen fühlen. Es gibt keinerlei Nachteile, wenn Kurse nicht mehr besucht oder Projekte eingestellt werden. Im Leben besteht reine, authentische Freiheit ohne Schuld, Zwang oder Scham - authentische Wahlfreiheit, ohne Vorbedingungen.
Stell dir vor, du stehst vor einem riesigen, bunten Büffet an fremdartigen Speisen. Wieviele musst du kosten, um deine Lieblingspeise zu finden oder um sagen zu können, "jetzt habe ich genug probiert"? Wie viele willst du kosten? - Stell dir vor, nach der dritten Speise sagt jemand "Also, jetzt reichts, du darfst jetzt nur noch DAS essen!"
Vielleicht magst du erstmal von mehreren Sachen kleine Häppchen auf deinen Teller tun, bis du entscheidest, von einer Sache viel zu nehmen. - Stell dir vor, jemand packt deinen Teller voll und sagt "Also, das musst du jetzt aufessen, vorher gibt's nix anderes!" oder "Das musst du ab heute jeden Tag essen - und zwar eine halbe Stunde täglich!"

Wieso klingt das für uns so absurd? Beim Thema Lernen klingt es so selbstverständlich. "Du musst aber...", "Du solltest aber... sonst wird das nix!", "Man muss doch... auch mal... endlich...".
Wir leben schließlich nicht gemäß der Ansprüche, die andere setzen und brauchen demnach nicht "beenden, was wir einmal begonnen" haben. Davon abgesehen beenden wir tatsächlich, was wir einmal angefangen haben, aber gemäß unserer eigenen Maßstäbe. Wir sind mit einer Sache fertig, wenn wir es entscheiden. (Dayna Martin)
Wie entscheidest du? Wessen Ansprüchen willst du genügen? Wie sind deine Ansprüche? Vielleicht findest du schon beim ersten Bissen dein Leibgericht und willst nur noch das - dann würdest du vielleicht auch alles dafür tun, um herauszufinden, woraus es gemacht ist, um alle Zutaten zu besorgen und um zu lernen, wie man es zubereitet - wie man es perfekt zubereitet. Vielleicht willst du dich noch nicht festlegen (und wahrscheinlich willst du dich schon gar nicht festlegen lassen). Vielleicht ist es dir wichtig, selbst zu entscheiden, es selbst herausfinden zu dürfen, "nein" sagen zu dürfen, damit du von Herzen "ja" sagen kannst. Finde es heraus!

Viel Spaß beim Entdecken der Welt mit ihren vielen Möglichkeiten!

Sonntag, 14. August 2011

Kann man aus freiem Willen zur Schule gehen?

In einem Blog las ich neulich einen - schon etwas älteren - Beitrag mit dem Thema "Schüler fehlen häufiger im Unterricht", dessen letzter Absatz mich sehr nachdenklich machte. Die Autorin schreibt, es sei "so wichtig herauszufinden, wo die Blockaden des Kindes liegen, damit es wieder gerne die Schule – und das aus freiem Willen – besucht. Für ein Lernen, das so wichtig ist für die Zukunft Ihres – und unseres – Nachwuchses."

Ist es überhaupt möglich, "aus freiem Willen" die Schule zu besuchen? 

Montag, 11. Juli 2011

Nie wieder Vokabeln pauken?

Nachdem ich so manches anzweifle, was man so in der Schule lernen muss bzw. vor allem, auf welche Weise und unter welchen Umständen man es lernen muss, ist doch immer noch die Vorstellung in mir haften geblieben, Vokabeln müsse man aber doch pauken. Das sei doch auch sinnvoll, denn ohne die Worte kann ich ja die Sprache nicht verstehen und sprechen schon gar nicht. Hm...

Vokabeln lernen hat mir nie so sonderlich viel Spaß gemacht und so butterweich in einen fortschreitenden Lernprozess ist es auch nie eingeflossen. Ich erinnere mich noch an meine wahnsinnige Gedächtnisleistung, mit der ich an den Abenden vor Lateinvokabeltests mehrere Lektionen Vokabellisten in mein Hirn stopfte - dabei hab ich immer mit einem Stift die Worte abgehakt, die ich drei- oder mehrmals nacheinander wusste, und die immer weniger werdenden Worte in der Liste so lange wiederholt und wiederholt, bis ich alle konnte. Hat für mich super funktioniert, denn den Vokabeltest am nächsten Tag bestand ich mit Bravour. Aber nach kurzer Zeit waren die Bedeutungen aus meinem Kopf wieder verschwunden, bei der Anwendung hat mir das Pauken nie geholfen (aber gut, wir haben uns im Unterricht auch nicht auf Latein unterhalten - könntest du dir das vorstellen?) - und heute weiß ich nix mehr.

Sonntag, 3. Juli 2011

Frustration, Traurigkeit & Co. bei Teenagern oder ehemaligen Teenagern

Auf meine Vorstellung des Teenager Befreiungs Handbuchs schrieb Meike (24) mir einen Kommentar, der mich zu weiteren Gedanken anregt (danke!). Sie freut sich, das Buch zu lesen, fragt sich aber, ob sie danach erstmal frustriert sein könnte, weil sie eben nicht das Glück hatte, dieses Buch vorher zu kennen bzw. selbst wenn sie es gekannt hätte, dass sie nichts hätte tun können. 

Frustration
Ich glaube, dass du dir beim Lesen des Buches darüber bewusst wirst, wie frustriert du die ganze Zeit schon warst und bist. Das habe ich so und zugleich als enorme Erleichterung empfunden. Endlich hat eine diffuse Unzufriedenheit, die mich seit der Pubertät begleitet, ein Gesicht bekommen. 

Ich habe mal bei Wikipedia nach der Bedeutung von Frustration geschaut. Das Wort stammt (wie so vieles) aus dem Lateinischen: frustra = vergeblich bzw. frustratio = "Täuschung einer Erwartung". Frustration sei eine Wunschversagung, welche mit dem Erlebnis eines aufgezwungenen Verzichts von Wünschen einhergeht. (Passiert einem sowas als junger Mensch in unserem Bildungssystem - aufgezwungener Verzicht von Wünschen?)
Weiter heißt es, Frustration entstehe "durch tatsächliche oder vermeintliche Benachteiligungen, enttäuschte Erwartungen und erlittene Ungerechtigkeiten, welche sich in einem Zustand der Enttäuschung äußert. Unmittelbare negative Folgen können Aggressionen sein oder längerfristige Depressionen". Ich glaube, um zu erkennen, ob man frustriert ist, reicht diese Definition.

Du kommst während des Lesens aber gar nicht dazu, frustriert zu bleiben. Frustration hängt ja immer irgendwie mit einem Gefühl von Hilflosigkeit zusammen. Und dieses Buch gibt soviel Anregung für neue Handlungen, dass du dich nur schwer hilflos fühlen kannst. Es hilft dir, voller Ideen in die Zukunft zu blicken, aber vor allem im hier und jetzt zu LEBEN und das Leben genießen zu wollen. In uns ist seit früher Kindheit so tief die Vorstellung verwurzelt, man müsse sich immer auf die Zukunft vorbereiten. Die Schule ist eine andauernde (vermeintliche!) Vorbereitung auf ein Leben, das irgendwann danach beginnt. Irgendjemand sagte einmal, wir wollen nicht auf das Leben vorbereitet werden, wir wollen leben!

Traurigkeit 
Was ich mehr erlebt habe als Frustration, war Traurigkeit. Traurigkeit darüber, wie die Umstände sind und waren und wie sie hätten sein können. Aber es war für mich eine befreiende Traurigkeit. Die Erfahrungen, die ich als Teenager und Schülerin gemacht habe, haben ein anderes Gesicht bekommen, manches Gespürte aber nie so richtig Greifbare hat einen Namen bekommen. Ich habe alles auf einmal in einem anderen Rahmen gesehen, und das war sehr befreiend. Die Trauer ist sehr heilend und macht Platz für einen Neuanfang. Du musst natürlich den Mut haben, deine eigene Trauer zu empfinden und hindurchzugehen. Allzugern verpacken wir bestimmte Gefühle - Trauer, Wut, Angst - in einem dicken Paket tief in unserem Herzen und schleppen sie mit uns herum. Es kann ein großer Schritt sein, diese Gefühle zuzulassen. Sie zuzulassen und zu durchleben ist eine Befreiung. 

Hilflosigkeit - Das Gefühl, nichts tun zu können. 
Auch wenn es in unserem Land nicht so einfach ist, sich von den äußeren Zwängen zu befreien, die unser Bildungssystem uns auferlegt, so ist es dennoch möglich. Die zweite Möglichkeit, die jeder von uns hat, ist sich innerlich zu befreien. Das Teenager Befreiungs Handbuch ist tatsächlich ein Handbuch für deine Selbstbefreiung in beiderlei Hinsicht. Ich möchte - auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wie eine Werbetante anhöre - dir prophezeien, dass du dich danach - nein, schon währenddessen - viel weniger hilflos und weniger frustriert fühlen wirst, dass du voller Ideen und Tatendrang sein wirst, dass du dich lebendiger fühlen wirst, als je zuvor.

Es ist nie zu spät (oder auch zu früh) dieses Buch zu lesen, ob Teenager oder (noch) nicht (mehr) Teenager. Es liefert u.a. eine Fülle an inspirierenden Geschichten über Menschen, die in Freiheit leben und lernen. Es eröffnet dir das Tor in eine neue Welt, von der du bisher (wahrscheinlich) keine Vorstellung hattest, von der du nicht ahntest, dass es sie gibt oder geben darf oder geben könnte. Deine Sicht auf unser Leben und auf unsere Bildung wird sich beim Lesen radikal verändern (und das sollte sie meiner Meinung nach auch).

Samstag, 25. Juni 2011

Weitere Gedanken zum Faulsein

"Aber man muss Schüler zwingen, etwas zu lernen", sagte mir einst jemand, "ich war ein total fauler Schüler, ich hätte sonst nichts gelernt."

Ich glaube nicht, dass er nichts gelernt hätte. Stell dir vor, du könntest ganz allein bestimmen, was du lernst, wie du lernst, wann du lernst und wie lange du lernst. Dann hättest du sicher nicht das Gefühl, faul zu sein, höchstens, wenn du deinen eigenen Ansprüchen oder Erwartungen nicht gerecht wirst. In diesem Fall ist es ratsam, einmal deine Ansprüche zu überdenken und deine Erwartungen zu hinterfragen und eventuell zu verändern.

Was bedeutet (hier) eigentlich "faul"?

Dienstag, 21. Juni 2011

"Ich bin immer faul."

Mein kleiner Cousin schrieb mir, dass er in meinem Blog nichts über das Thema Faulheit gefunden hat. Das sei nämlich sein großes Problem. Er meint: "Ich bin immer faul und mache die Dinge nur, wenn ich sie dringend notwendig finde".

Wenn du dir einmal die Frage stellst, bei welchen Dingen du ganz und gar nicht faul bist, was du gerne lernst, womit du dich gerne, sofort, aus eigenem Antrieb und ohne Aufforderung durch jemand anderen beschäftigst, welche Antwort wirst du dir dann geben?

Sonntag, 19. Juni 2011

"Ihre Tochter ist nicht krank, sie ist eine Tänzerin."



Sir Ken Robinson erzählt in einem Vortrag eine beeindruckende Geschichte von Gillian Lynne, einer berühmten Tänzerin (sie hat die Musicals "Cats" und "Phantom der Oper" choreografiert).
Gillian und ich aßen eines Tages zusammen und ich fragte: "Gillian, wie wurdest du eine Tänzerin?" Und sie sagte, es war interessant: Als sie in der Schule war, war sie wirklich hoffnungslos. Und die Schule in den 1930ern schrieb ihren Eltern: "Wir glauben, Gillian hat eine Lernschwäche." Sie konnte sich nicht konzentrieren, sie zappelte herum. Ich denke, heute würden Sie sagen, sie hat ADHS. Denken Sie nicht? Aber in den 1930ern war ADHS noch nicht erfunden worden. Es war also kein verfügbarer Zustand. Die Leute wussten noch nicht, dass sie das haben könnten.

Freitag, 17. Juni 2011

Sir Ken Robinsons Vorträge: "School Kills Creativity"

Ich habe vor kurzem einen spannenden Vortrag gesehen von Sir Ken Robinson, ein britischer Autor, international geachteter Berater in der Gesellschaftentwicklung und "Kreativitätsexperte". Ich vermute, dass er unter jungen Leuten hierzulande völlig unbekannt ist (ich hatte jedenfalls noch nie von ihm gehört). 

Abgesehen davon, dass ich ihn als sehr weise und äußerst charmant und humorvoll beschreiben würde, ist er einer der Menschen, die unser Schulsystem infragestellen (und die solltest du meiner Meinung nach möglichst alle kennen). Er sagt, dass wir unser Potential nicht ausschöpfen können, weil uns beigebracht wird, eher ein "guter Arbeiter" zu werden als ein "Kreativer Denker". Schüler mit einem ruhelosen Geist oder einem ruhelosen Körper werden - anstatt ihre Energien und ihre Neugier zu nutzen und zu pflegen - nicht wertgeschätzt, ignoriert oder sogar stigmatisiert. 

Ich stelle dir drei sehenswerte Vorträge von Robinson vor:
Im zweiten ist er der Meinung, es sollte eine Bildungs-Revolution geben. 
Im dritten spricht er davon, dass und wie wir unsere Denkmuster bezüglich des Lernens verändern müssen: 




Donnerstag, 9. Juni 2011

Runter mit dem Etikett!

Ich habe vor kurzem einen Link geschickt bekommen zu einem YouTube-Clip, welches eine - wie ich finde - sehr wichtige Botschaft enthält. Je häufiger ich diesen Clip anschaue, desto mehr rührt und berührt er mich.
Ich denke, "Psychiatrische Diagnosen" sind eine für junge Menschen gefährliche und heutzutage sehr verbreitete Form der Etikettierung (eine, von der du bestimmt schon mal gehört hast - wenn du nicht gar selbst davon "betroffen" bist, ist ADHS). Sie sind eigentlich für alle Menschen problematisch, aber für junge Menschen ganz besonders, da junge Menschen sich schwer dagegen wehren können.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Welches Etikett steht auf deiner Brust?

Wir Menschen neigen (heutzutage) dazu, anderen Etiketten auf die Brust zu kleben, auf denen steht, wer, wie oder was der andere "ist".

Besonders in der Schule läufst du Gefahr, mit einem solchen Aufkleber versehen, in eine Schublade gesteckt oder in eine Schablone gepresst zu werden. Viele Lehrer tun das ganz automatisch (und ohne böse Absicht), sie verteilen viele Aufkleber, möglicherweise, um sich zu orientieren. Leider führt das oft dazu, dass sie Schüler nicht mehr als Menschen sehen, sondern lediglich nach bestimmten Normen oder Maßstäben bewerten.

Ich möchte dich bitten, einmal kurz über die folgenden Fragen nachzudenken:
Hast du das Gefühl, dein Lehrer/deine Lehrerin sieht dich als Mensch?
Welches Etikett hat er/sie möglicherweise auf deine Brust geklebt?
Welche Auswirkungen hat das auf ihn/sie, welche auf dich?